
Der
dominierende Baum in den Rheinauen ist die Silberweide.
Mit dem Projekt »Pflege und Regenaration der Silberweidenwälder«,
unter der Projektträgerschaft des PAMINA Rheinpark
e.V., soll auch auf die Besonderheit dieses einzigartigen
Baumes hingewiesen werden.
Die Silberweide (Salix alba), ein bis zu 30 m hoher, raschwüchsiger
Baum mit schlanker Krone, fällt vor allem durch ein
Merkmal auf: Die charakteristische, silbergraue Behaarung
der schmalen Blätter verleiht der vom Wind bewegten
Weide einen silbrigen Schimmer, worauf auch ihr Name beruht.
Die Silberweide bevorzugt als Standort Flussauen, das heißt,
die Niederungen entlang großer Fließgewässer,
die von Natur aus regelmäßig überschwemmt
werden. Dort bildet sie, teilweise zusammen mit Pappeln,
sogenannte Weichholz-Auenwälder. Die Silberweide gehört
zu den wenigen Baumarten, die lang andauernde Überschwemmungen
vertragen. Sie kann jährlich bis zu 190 Tage im Wasser
stehen, in Extremjahren sogar bis zu 300 Tagen, und das
bei Wasserständen von vier Metern Höhe und mehr.
Geeignete Standorte fehlen
Heute ist es
für die Weide schwierig, geeignete Lebensbedingungen
zu finden. Auenstandorte sind stark zurückgegangen,
seit der Mensch Flüsse eingedeicht, begradigtsowie
die Ufer befestigt hat und die ehemaligen Überschwemmungsgebiete
dicht besiedelt hat. In Deutschland sind kaum noch zehn
Prozent der ursprünglichen Fläche übrig.
Um auf diese Gefährdungen hinzuweisen, erhielt die
Silberweide 1999 den Titel »Baum des Jahres«.
Gegen die Zerstörung der Flußauen setzt sich
das WWF-Auen-Institut seit seinerGründung im Jahr
1985, sowie die Forstämter auf deutscher und französischer
Seite, ein. Und es kann mittlerweile auf deutliche Erfolge
an der Loire, der Donau, der Elbe und dem Rhein zurückblicken,
wo es gelang, Auen zu erhalten und stellenweise wieder
an das Wasserregime des Flusses anzubinden und so zu renaturieren.
Die Hochwassertoleranz der Silberweide
Dass
die Silberweide derart gut langen Hochwassern widersteht,
hat mehrere Gründe. Ihre langen, äußerst
elastischen Zweige verhindern, das die reißenden
Fluten die Äste oder gar den ganzen Baum abknicken.
Darüber hinaus wird der Baum durch Überflutung
zur Bildung neuer Wurzeln direkt aus dem Stamm heraus angeregt.
Sie versorgen die Pflanze mit Sauerstoff aus dem fließenden
Wasser. Wenn der Wasserspiegel wieder sinkt, hängen
diese Wurzeln wie Fäden als sogenannte Bärte
nach unten.
Nutzen für den Menschen
Der Mensch
hat sich die Silberweide schon früh und
auf vielfältige Art zunutze gemacht. So gehört
sie zu den Bäumen, die als erste im Frühling
blühen. Die gelblichen »Kätzchen« erscheinen
schon im April, was sie für Imker zu einer begehrten
Bienenweide macht. Früher wurden ihre langen, biegsamen
Ruten zum Flechten von Körben, aber auch Reusen für
den Fischfang verwendet. Aus dem weichen Holz fertigte
man Holzschuhe. Auch für die Medizin sind die Silberweide
und andere Weidenarten schon seit langem nahezu unentbehrlich
geworden: Die Rinde enthält Salicylsäure, ein
Vorprodukt der Acetylsalicylsäure , besser als das
altbewährte »Aspirin« bekannt. Im Hochwasserschutz
hat die Silberweide seit Jahrhunderten eine enorme Bedeutung.
Vier bis fünf Meter lange Äste wurden zu Reisigbündeln,
den sogenannten »Faschinen« verflochten. Sie
dienten zur Ufersicherung und Dammbefestigung, indem sie
verhinderten, dass das Wasser den Boden wegspülen
konnte. Ein Teil der Weidenruten trieb neu aus, und so
bildeten sich im Laufe der Zeit Gebüsche,deren Wurzeln
das Ufer auf natürliche Weise befestigten.
Die Kopfweide
Die Silberweide wurde in
der Vergangenheit oft als sogenannte Kopfweide kultiviert.
Der Mensch schnitt die Bäume
alle fünf bis zehn Jahre bis auf den kurzen Stamm
zurück, »setzte sie auf den Stock«, um
den Wuchs der dünnen Ruten, die vor allem zum Korbflechten
genutzt wurden, zu fördern. Dabei verdickte sich der
Stamm am oberen Ende der Schnittstelle, was der Kopfweide
mit der Zeit ihre charakteristische Form gab. Heute wird
sie meist nur noch aus kulturhistorischen Gründen
zurückgeschnitten, um diese Nutzungsart für die
Nachwelt zu erhalten. In verschiedenen Regionen, beispielsweise
in den Auen am Oberrhein, gehören die Kopfweiden noch
immer zum typischen Landschaftsbild. Im Hinblick auf ihren
Nutzen haben sie für den Menschen in der heutigen
Zeit allerdings ihren Wert verloren.
Lebensraum für wilde Tiere
Für die Tier- und Pflanzenwelt dagegen ist die Kopfweide
heute noch ein unersetzlicher Lebensraum: Unzählige
Käferarten und deren Larven, wie zum Beispiel der
grünlich glänzende Moschusbock, finden in den
Ritzen und Höhlungen des Stammes Unterschlupf. Auch
die Raupe des Weidenbohrers, eines Nachtfalters, bohrt
sich, wie der Name schon sagt, ihre Gänge durch das
Holz von alten Kopfweiden. Diese Insekten bieten wiederum
für viele Vogelarten eine willkommene Nahrungsquelle.
Manche Vögel wie die Weidenmeise, die Bachstelze sowie
der Bartenrotschwanz bauen sogar ihr Nest in der Weide.
Auch der Wald- und der Steinkauz nutzen hohle Stämme
gerne als Brutstätte. Insgesamt sind von einer Kopfweide
bis zu 200 verschiedene Tierarten abhängig. In der
weichen Baumerde, die sich mit der Zeit in den Höhlungen
bildet, siedeln sich außerdem Moose, Pilze, Farne
und sogarSträucher wie der Holunder an.
Projektorganisation:
Projektträger
ist der Verein PAMINA Rheinpark.
Für die fachliche Organisation sind die beiden Forstämter
ONF und Forstamt Rastatt zuständig.
Die Gemeinden Iffezheim, Au am Rhein,
Elchesheim-Illingen, Steinmauern, Rastatt, Beinheim, Mothern,
Bruchhausen und Seltz führen die Pflegemaßnahmen
durch.
Kreisforstamt Bezirksleitung Rastatt,
Herrenstraße 15
76437 Rastatt
Tel: 07222 381-4311
ONF Hatten
Maison forestière Esch
Tel: 00 33 3 88 80 00 02
WWF Deutschland Fachbereich Süßwasser
Bleichstraße 2
76437 Rastatt
Tel: (07222) 77 489 14
